Ein Blick hinter die Kulissen ...

(Wolfgang Merz) Die Nutzung des Wernborner Pfarrheims steht von Neujahr an schon seit je her ganz im Zeichen der Vorbereitungen für die fünfte Jahreszeit und die närrischen Sitzungen der KCA, der Kolping-Carneval-Abteilung. An fast allen Tagen der Woche einschließlich der Wochenenden wird hier getanzt was das Zeug hält, schließlich wollen bis zu fünf Tanzgruppen aller Altersstufen bis zu ihren Auftritten alle Schritte und Showfiguren möglichst perfekt beherrschen.

KCA Kinderballet

Wer einmal Gelegenheit hat, bei diesen Proben zu Gast dein, der weiß, welche Schwerstarbeit das für die Trainerinnen bedeutet und der bewundert anschließend deren unendliche Geduld und Reißfestigkeit ihrer Nervenkostüme. Die Jüngsten der Tänzer und Tänzerinnen sind gerade einmal fünf Jahre alt und die haben von Rhythmus und Gleichschritt noch ganz eigene Vorstellungen. Am Ende der Altersscala befand sich zumindest noch in der vorletzten Saison die Altherren-Riege des Männerballetts, bei denen sich die Grenzen der Choreografie am Zustand der Knie- und anderer Gelenke definieren ließen. Für den Kenner der Materie sind die Tanztrainerinnen die wahren Heldinnen der närrischen Szene.

KCA Kinderballet

Nebenbei wird über die Kostüme beraten, die natürlich schick aussehen, aber gleichzeitig auch bezahlbar und – meist von den Müttern- machbar sein müssen. Das ist jedes Jahr aufs Neue ein schwieriger Balanceakt, der nicht selten die restlichen noch intakten Nerven zusätzlich strapaziert.

Die Vorarbeit der übrigen Akteure auf der KCA-Bühne spielt sich zumeist in heimischen Wohnzimmern ab. Die Redner suchen sich ihre Texte zusammen oder schreiben sie selbst, die Musikgruppen suchen nach ins Ohr gehenden Melodien, schreiben passende Liedtexte und erarbeiten die Präsentation.

Wieder andere entwerfen die Orden, organisieren die Bewirtschaftung, bereiten die Hallendekoration vor, kümmern sich um das benötigte Personal, den Kartenverkauf und stellen das Programm zusammen. Dazu dienen die wöchentlichen Montagstreffen, die regelmäßig vom Sitzungspräsidenten Klaus Unger geleitet werden, der gekonnt alle Fäden in seiner Hand hält.

Regina&Betty

Der eigentliche Showdown beginnt am vorletzten Montag vor der ersten Sitzung. Jetzt müssen alle Aktiven ihren Auftritt präsentieren, werden letzte Korrekturen vorgenommen und jetzt wird die endgültige Reihenfolge der Programmpunkte, die Choreografie der gesamten Sitzung sozusagen, festgezurrt. Erst dann können die Programmzettel geschrieben werden, kann die Bühnenregie ihre Arbeit und die Technikverantwortlichen den Systembedarf planen.

Vier Tage vor der ersten Sitzung finden sich die zahlreichen Aufbauhelferinnen und –helfer erstmals in der Eichkopfhalle ein und beginnen mit der Einrichtung der Narrhalla. Es ist schon eine Aufgabe, eine nackte Mehrzweckhalle mit offen verlegten Lüftungsrohren, kalter Beleuchtung und ohne Bühne in einen stimmungsvollen Veranstaltungsort zu verwandeln. Das gelingt mit einem ausgeklügelten Bühnensystem, mit bunten Tüchern als abgehängte Decke und an den Wänden, mit 80 Metern Lichterketten, mit Unmengen von Luftschlangen, Luftballons und anderem Glitter und Flitter.

Wenn dann am Freitagnachmittag der legendäre Luftschlangen-Vorhang, der traditionell zum Ende der beiden Sitzungen den fallenden Vorhang symbolisiert, an seinem Platz ist, der letzte Besen geschwungen und das letzte Mikro getestet wurde, dann sind es bis zum ersten Tusch des Abends nur noch wenige Stunden.

Buhlmann&Buhlmann

Wenn dann alles vorüber ist, alles Material verstaut, alle Spuren beseitigt sind und sich KCA-Mannschaft am Sonntag zum Abgesang in der Usaklause trifft, dann haben sie sage und schreibe rund 5000 Mannstunden aufgewendet, um den 300 Besuchern der beiden Sitzungen ein paar stimmungsvolle Stunden zu bereiten. Ein immenser Aufwand, den aber keiner bedauert, denn das „Betriebsklima“ in der Kolpingmannschaft ist überwiegend gut, der Spaßfaktor trotz der teilweise schweren Arbeit hoch und das möchte keiner ernsthaft missen. Und wenn die Sitzungsbesucher ausgelassen schunkeln, feiern und Applaus spenden, ist das alle Mühen mehr als wert.