Lohn und Brot bringen

Der folgende Weihnachtsbrief 2010 belegt eindrucksvoll das nach wie vor segensreiche Wirken von Pater Dieter Wacker in Peru:

Ihr Lieben!

Die schöne Sitte, (wenigstens mal) zu Weihnachten zu schreiben, will ich heute fortsetzen, auch um zu danken, für all das Gute, das ich empfangen habe. Oft geht mir das ja beim Auf und Ab der Tagesgeschehen durch.

Also: herzlichen Dank Ihnen für all das, was Sie für mich und meine Arbeit hier in Peru getan haben!

Wie immer in den letzten Tagen begann das Jahr 2010 mit den Einkehrtagen in Lima. So ein geistiges Auftanken tut gut. Zu Dreikönig habe ich, in diesem Jahr zum ersten Mal in der Pfarrei von Santa Eulalia, mit meinen älteren MitbürgerInnen ein verspätetes Weihnachtsfest gefeiert.

Im Februar war ich zu einem Lehrer- und Katechistentreff eingeladen. Ich habe in dem Arbeitskreis versucht, Tafelanschriebe mit der Technik des “Sprechzeichnens” zu beleben, also statt Strichmännekes schnell einfache Figuren auf die Tafel zu bringen. Nicht nur bei dieser Versammlung, organisiert von der Peruanischen Bischofskonferenz, sondern auch bei den Katechistenkursen, die ich regelmäßig in meinem Haus in Santa Eulalia abhalte, kann ich feststellen, wie wenig die Katechisten und LehrerInnen mit Techniken vertraut sind, die einen Unterricht interessanter gestalten würden. Mehrmals habe ich in diesem Jahr meine alte Wirkstätte in Puquio
besucht. Es freut mich immer wieder, feststellen zu können, wie die Arbeit von Huitco e.V weitergeht. Die Apotheke hat sich trotz starker Konkurrenz behaupten können und im Labor gibt es viel versprechende Ansätze, die Produktion von Salben und Essenzen zu steigern.

Mehr und mehr breiten sich um Puquio die Felder aus, auf denen Pfefferminz angebaut wird. Selbstverständlich wird ein solcher Besuch auch immer von den Müttern der behinderten Kinder genutzt, um mit mir über Terapiemassnahmen ihrer kranken Söhne und Töchter zu sprechen. Dank der Hilfe, die aus Pfarreien wie Hasbergen und Angelmodde, von Oberursel und Wernborn kommen, konnten zehn Kinder in Puquio
von einer Psychologin begleitet und in Lima von Fachärzten untersucht werden. Und dieses Programm soll im Jahr 2011 weiterlaufen! Am 30. November konnten einige überlebende Freunde in Puquio gemeinsam
das Silberne Jubiläum der Einweihung des Staudammes in Pachaya feiern. Der Damm erfüllt seit 25 Jahren seine Bestimmung; z.Z. ist der sonst 24 Meter hochstehende Wasserspiegel um 8 Meter
gefallen. Diese Menge wurde ab September dieses Jahres für die Aussaat auf den Feldern gebraucht. Es ist zu erwarten, dass er sich in der nun hoffentlich bald einsetzenden Regenzeit wieder auffüllt.
Bei meinem dreimonatigen Aufenthalt in Deutschland (mit Abstechern nach Ungarn und zur Toskana) habe ich wieder einmal feststellen können, wie “anders” doch Peru im Vergleich ist. “Anders” ist das
richtige Wort, denn ich will ja nicht sagen: “besser” oder “schlechter”.

P. Joachim Kameni, Ordernspriester aus Kamerun und Pfarrer in Santa Eulalia, hat mich auch in diesem Jahr gebeten, ihm in den abgelegenen Orten zu Weihnachten zu helfen. Eigentlich bin ich ja ganz gut drauf, wenn ich in 3600 m Höhe noch das “In jener Zeit ging vom Kaiser August ein Befehl aus” singen kann. Aber um meine Stimme und mich zu schonen (und die Gläubigen nicht zu vergrämen) werde ich wohl zum Schluss des Evangeliums in einen Leseton zurückfallen, … von wegen der Puste!

Ihnen wünsche ich ein gesegnetes Weihnachtsfest und… dass uns allen im kommenden Jahr die Puste nicht ausgehe.


Mit freundliche Grüssen:
Dieter Wacker